
Die Stadt am Strom
Tabni wacht auf, bevor die Sonne über die Mauer schaut. Er klettert die Leiter hinauf aufs flache Dach, wie jeden Morgen. Von hier sieht er seine ganze Welt: Ur, die Stadt aus Lehmziegeln. Tausend flache Dächer, dazwischen schmale Gassen, und über allem der Zikkurat, der Tempelturm mit den grossen Treppen, der im ersten Licht glüht wie frisches Brot. Dahinter zieht der Euphrat vorbei, breit und ruhig, mit Schilfbooten darauf. Es riecht nach Fladenbrot und nach Flussschlamm. Irgendwo schreit der Esel des Nachbarn, wie jeden Morgen zu früh. Tabni streckt sich. Unten ruft die Mutter. Heute ist Schule, und danach, hat der Onkel versprochen, gehen sie auf den grossen Markt.