
Morgen am Nil
Nefer wacht auf, als das erste Licht über die Schilfdächer fällt. Aus der Lehmziegel-Hauswand sickert die Kühle der Nacht. Sie streckt sich, schiebt das dünne Leinentuch zur Seite und tappt barfuss zur Tür. Draussen liegt der Nil ganz still und dunkelblau, der berühmteste Fluss der Welt. „Nefer“, ruft Mutter aus der Küche, „geh deinem Vater den Krug bringen.“ Vater ist Schreiber. Er sitzt schon am Ufer, eine Schilfrohr-Feder in der Hand, ein Stück Papyrus auf den Knien, und zählt die Boote, die aus Theben gekommen sind. Nefer ist neun Jahre alt und liebt diesen Fluss mehr als alles. Ohne ihn, sagt Vater, wäre Ägypten nur Wüste.